Vorteile und Nachteile von Zimmerpflanzen

Über Zimmerpflanzen kursieren viele Versprechen, von sauberer Luft bis zu besserem Schlaf. Einige davon halten einer Prüfung stand, andere stammen aus einer einzigen Studie, die oft falsch zitiert wird. Zu jedem Vorteil steht die Quelle dabei, und ein paar Nachteile haben Zimmerpflanzen auch.
Zwei Hände topfen am Holztisch eine kleine Zimmerpflanze in einen Terrakottatopf, daneben Erde, eine Schaufel, eine Gießkanne und weitere Pflanzen

Was sich belegen lässt

Weniger Anspannung bei der Pflanzenpflege

In einem Experiment aus Südkorea (Lee und andere, 2015) topften 24 junge Männer an einem Termin eine Pflanze um und an einem anderen eine Aufgabe am Computer. Nach dem Umtopfen waren der diastolische Blutdruck und die Aktivität des sympathischen Nervensystems niedriger, und die Teilnehmenden beschrieben sich als entspannter. Die Gruppe war klein, und gemessen wurde nur direkt nach dem Umtopfen, nicht über Wochen.

Produktiver arbeiten im Büro

Feldversuche in Büros in Großbritannien und den Niederlanden (Nieuwenhuis und andere, 2014) fanden in begrünten Räumen mehr Wohlbefinden und höhere Produktivität, die Einzelheiten stehen unter Pflanzen fürs Büro.

Ein Blick ins Grüne

Die Forschung zur Biophilie, also der Neigung des Menschen zu Lebendigem, ist älter als der Urban-Jungle-Trend. Eine oft zitierte Studie von Roger Ulrich (1984) zeigte, dass Patienten eines Krankenhauses in Pennsylvania mit Blick auf Bäume nach einer Operation früher entlassen wurden als Patienten mit Blick auf eine Mauer. Pflanzen im Zimmer sind kein Waldblick, setzen aber am selben Punkt an. Den Hintergrund findest du unter Biophilic Design.

Eine Routine, die sich lohnt

Einmal pro Woche die Erde prüfen und ein gelbes Blatt abschneiden dauert eine Viertelstunde. Das Ergebnis siehst du, wenn im Frühjahr das erste neue Blatt erscheint. Für diesen Vorteil brauchst du keine Studie, und er ist der Grund, warum viele aus einer Pflanze nach zwei Jahren zwanzig machen.

Was nicht stimmt: die bessere Luft

Der Satz, Zimmerpflanzen würden die Raumluft reinigen, geht auf eine NASA-Studie von 1989 zurück, in der die Pflanzen in kleinen, versiegelten Kammern ohne Luftaustausch standen. Eine Neuauswertung von 2019 kommt auf 10 bis 1.000 Pflanzen pro Quadratmeter, die du bräuchtest, um mit dem normalen Luftwechsel einer Wohnung mitzuhalten. Die ganze Rechnung steht unter luftreinigende Pflanzen.

Für die Auswahl heißt das:

Wähle Pflanzen danach aus, ob sie an den Platz passen und dir gefallen, und nicht nach einer Liste der angeblich besten Luftreiniger. Ein Einblatt im dunklen Flur geht ein, egal wie gut es in der NASA-Kammer abgeschnitten hat.

Und die Nachteile

  • Trauermücken. Die kleinen schwarzen Mücken legen ihre Eier in feuchte Blumenerde und sind der häufigste Ärger mit Zimmerpflanzen. Wie du sie loswirst, steht unter Schädlinge an Zimmerpflanzen.
  • Schimmel auf der Erde. Auf dauerhaft nasser Erde wächst ein weißer Belag. Er ist meist harmlos, zeigt aber, dass zu viel gegossen wird.
  • Giftigkeit für Haustiere. Monstera, Efeutute und viele andere Aronstabgewächse sind giftig, Lilien für Katzen lebensgefährlich. Welche Arten unbedenklich sind, steht unter giftige Zimmerpflanzen.
  • Allergien. Schimmelsporen aus nasser Erde und die Birkenfeige können Allergiker belasten. Worauf du dann achtest, steht unter Pflanzen fürs Schlafzimmer.

Häufige Fragen zu Vorteilen und Nachteilen

Sind Zimmerpflanzen gesund?

Für die meisten Menschen schaden sie nicht, und für Stimmung und Entspannung gibt es Hinweise aus Studien. Gesünder wird die Raumluft durch sie nicht. Vorsicht brauchst du bei Schimmelallergie, bei einer Allergie gegen die Birkenfeige und mit giftigen Arten in einem Haushalt mit Katze oder Kleinkind.

Gibt es Zimmerpflanzen, die den Schlaf verbessern?

Belegt ist das für keine Zimmerpflanze. Lavendel wird oft genannt, wächst drinnen aber schlecht, weil er viel direkte Sonne braucht. Was Pflanzen im Schlafzimmer nachts tun, steht auf der Seite zum Schlafzimmer.

Lohnen sich Zimmerpflanzen, wenn ich wenig Zeit habe?

Ja, wenn du Arten wählst, die Trockenphasen aushalten. Glücksfeder (Zamioculcas) und Bogenhanf (Sansevieria) brauchen oft nur alle paar Wochen Wasser. Aufwendig wird es erst mit Arten wie Calathea oder Farnen, die gleichmäßig feuchte Erde und hohe Luftfeuchte wollen.

Arten, die wenig Zeit brauchen, stellt pflegeleichte Zimmerpflanzen vor.

Quellen

  • Cummings, B. E. und Waring, M. S.: Potted plants do not improve indoor air quality. Journal of Exposure Science and Environmental Epidemiology 30 (2020), online 2019
  • Lee, M. S. und andere: Interaction with indoor plants may reduce psychological and physiological stress by suppressing autonomic nervous system activity in young adults. Journal of Physiological Anthropology 34 (2015)
  • Nieuwenhuis, M. und andere: The relative benefits of green versus lean office space. Journal of Experimental Psychology: Applied 20 (2014)
  • Ulrich, R. S.: View through a window may influence recovery from surgery. Science 224 (1984)
  • Wolverton, B. C. und andere: Interior Landscape Plants for Indoor Air Pollution Abatement. NASA (1989)

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