Substrat und Bodenaufbau im Terrarium
Der Bodenaufbau von unten nach oben
Ein Terrarienboden besteht nicht aus Erde, sondern aus mehreren Schichten mit klaren Aufgaben. Wer eine davon weglässt, merkt das meist erst nach Wochen, dann aber deutlich.
1. Drainage: 3 bis 5 cm Blähton
Die unterste Schicht ist ein Wasserspeicher, in dem überschüssiges Wasser stehen darf, ohne die Wurzeln zu erreichen. Blähton ist der Standard, grober Kies oder Lavagranulat gehen genauso. Üblich sind 30 bis 50 mm, in hohen Becken auch mehr.
Ohne Drainage staut sich Wasser direkt im Substrat. Das Ergebnis heißt Wurzelfäule und riecht irgendwann faulig. In offenen Wüstenbecken kannst du die Drainage dünner halten, weil dort ohnehin kaum gegossen wird.
2. Trennschicht: ein Vlies
Über die Drainage kommt ein zugeschnittenes Stück Filtervlies oder Fliegengitter. Es verhindert, dass die Erde nach unten rieselt und den Wasserspeicher zusetzt. Zwei Millimeter reichen, mehr braucht es nicht.
Diese Schicht kostet fast nichts und ist trotzdem die, die am häufigsten vergessen wird. Ohne sie vermischen sich Erde und Blähton innerhalb weniger Monate zu einer nassen Masse.
3. Optional: Aktivkohle
Eine dünne Schicht Aktivkohle über dem Vlies bindet Gerüche und Zersetzungsprodukte. In geschlossenen Becken mit wenig Luftaustausch ist das ein sinnvoller Zusatz, in offenen Becken kannst du sie weglassen.
Aktivkohle ersetzt keine Belüftung. Wenn ein Becken müffelt, ist meist die Luftbewegung das Problem und nicht die fehlende Kohle.
4. Substrat: 5 bis 10 cm
Hier wachsen die Wurzeln. Für tropische Becken sind 50 bis 100 mm üblich, mehr nur, wenn du deutliche Höhenunterschiede modellieren willst. Wichtig ist, dass das Substrat locker bleibt und nicht verdichtet.
Verteile es bewusst ungleichmäßig. Eine flache Ebene wirkt künstlich, ein leicht ansteigender Hintergrund gibt dem Becken Tiefe und lässt die hinteren Pflanzen besser zur Geltung kommen.
5. Abdeckung: Moos, Laub oder Sand
Die oberste Schicht ist Gestaltung und Funktion in einem. Moos hält die Feuchtigkeit im Substrat, Laub liefert Nahrung für die Bodenfauna, Sand betont in Wüstenbecken die Struktur.
Freiliegende Erde trocknet schnell aus und sieht unfertig aus. Plane also von Anfang an mit, wie die Oberfläche später aussehen soll.
Welche Mischung für welches Klima
Substrat ist kein Universalprodukt. Tropen und Wüste brauchen genau entgegengesetzte Eigenschaften.
Tropisch: speichern, aber luftig bleiben
Eine bewährte Mischung besteht aus Kokosfaser, etwas Sphagnum-Moos, Pinienrinde in kleiner Körnung und einem Anteil Blähton oder Perlite für die Struktur. Die Rinde und das Granulat sorgen dafür, dass die Mischung auch nach Monaten noch Luft enthält.
Fertige Terrarienerde funktioniert ebenfalls. Achte darauf, dass sie ungedüngt ist. Dünger im Terrarium führt zu Algen an den Scheiben und zu Pflanzen, die aus der Form wachsen.
Arid: mineralisch und schnell trocken
Für Sukkulenten und Kakteen brauchst du das Gegenteil: hoher Sandanteil, Bims oder Lavasplitt, wenig organisches Material. Fertige Kakteenerde ist ein guter Startpunkt, wird aber oft noch mit Sand gestreckt.
Hier liegt die Schichtdicke meist bei 80 bis 90 mm reinem Sand-Mineral-Gemisch, ganz ohne Drainage darunter. Das Wasser soll durchlaufen und verdunsten, nicht gespeichert werden.
Was nicht ins Terrarium gehört
Normale Blumenerde aus dem Baumarkt ist gedüngt, verdichtet schnell und bringt oft Trauermückenlarven mit. Torf sackt zusammen und wird bei Trockenheit wasserabweisend.
Auch Gartenerde ist keine gute Idee. Sie enthält Unkrautsamen, Sporen und Kleinlebewesen, die im geschlossenen Becken schnell überhand nehmen.
Wie viel Substrat brauche ich?
Die häufigste Frage vor dem Einkauf, und die Antwort ist reine Rechnung.
Substrat wird in Litern verkauft, dein Becken hat aber Zentimeter. Die Umrechnung ist einfach: Grundfläche in Quadratzentimetern mal Schichthöhe in Zentimetern, geteilt durch 1000. Das Ergebnis sind Liter.
- 30 x 30 cm, 5 cm Erde: etwa 4,5 Liter Substrat plus rund 4 Liter Blähton für 4 cm Drainage
- 45 x 45 cm, 6 cm Erde: etwa 12 Liter Substrat plus rund 8 Liter Blähton für 4 cm Drainage
- 60 x 45 cm, 8 cm Erde: etwa 21 Liter Substrat plus rund 13 Liter Blähton für 5 cm Drainage
- 90 x 45 cm, 8 cm Erde: etwa 32 Liter Substrat plus rund 20 Liter Blähton für 5 cm Drainage
Tipp:
Kaufe etwa 20 Prozent mehr Substrat als berechnet. Beim Modellieren von Hügeln und beim Auffüllen um Wurzeln und Steine geht mehr weg als gedacht, und nachkaufen bedeutet meist eine zweite Lieferung.
Die vier häufigsten Fehler im Bodenaufbau
Fast alle Bodenprobleme lassen sich auf eine dieser vier Ursachen zurückführen.
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Drainage fehlt: Das Wasser steht direkt an den Wurzeln. Die Pflanzen kümmern von unten her, ohne dass man oben etwas sieht.
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Kein Trennvlies: Erde und Blähton vermischen sich, der Wasserspeicher setzt sich zu und die Drainage wirkt nicht mehr.
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Gedüngte Erde: Algen an den Scheiben, überschießendes Wachstum und Pflanzen, die ihre kompakte Form verlieren.
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Zu dicht gepackt: Verdichtetes Substrat lässt keine Luft an die Wurzeln. Locker einfüllen und nur leicht andrücken, nicht feststampfen.
Schichtdicken einstellen und Liter ablesen
Im Terra-Planer stellst du Drainage, Vlies, Erde und Sand millimetergenau ein und siehst den Aufbau im Schnitt. Die Stückliste rechnet die Liter für dich aus, sodass du beim Einkauf nicht schätzen musst.
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