Zimmerpflanzen im Winter: typische Fehler und wie du es richtig machst

Im Dezember ist es in Deutschland je nach Region nur sieben bis gut acht Stunden hell, und die Sonne steht so tief, dass schon das Nachbarhaus einen großen Teil davon abhält. Gleichzeitig läuft unter dem Fenster die Heizung. Die meisten Zimmerpflanzen wachsen in diesen Monaten kaum, und wenn du weiter pflegst wie im Sommer, hast du im März oft kahle Triebe und faule Wurzeln. Die Verluste gehen fast immer auf eine Handvoll Fehler zurück, und die meisten davon siehst du an den Blättern, lange bevor die Pflanze eingeht.
Zimmerpflanzen im Winter, Fehler und Lösung: links eine Calathea mit braunen Blatträndern über dem Heizkörper und Blättern an der Scheibe, rechts dieselbe Pflanze mit Abstand zu Glas und Heizung neben einem Luftbefeuchter

Was du ab Oktober umstellst

Pflege von Zimmerpflanzen im Sommer und im Winter im Vergleich
Pflegeschritt Sommer Winter
Gießen Wenn die obersten 2 bis 3 cm trocken sind Erst, wenn die Erde tiefer trocken ist, oft nur halb so oft
Düngen Alle 2 bis 4 Wochen Pause von Oktober bis Februar, außer bei Winterblühern und Pflanzen unter der Lampe
Umtopfen Im Frühjahr ideal Nur im Notfall, etwa bei Wurzelfäule
Standort Abstand zum Südfenster So nah ans Fenster wie möglich, aber nicht ans kalte Glas
Blätter Ab und zu abbrausen Staub abwischen, damit das wenige Licht ankommt

Pflanzen, die den Sommer auf dem Balkon verbracht haben, kommen vor dem Umstellen rein und werden auf Schädlinge geprüft, wie unter Pflanzen im Herbst reinholen beschrieben.

Die typischen Fehler, nach Thema sortiert:

Fehler beim Gießen und Düngen

Zu viel gegossen im Winter: links eine Pflanze mit gelben unteren Blättern, Wasser im Übertopf und Trauermücken, rechts prüft eine Hand mit dem Finger die Erde, der Übertopf ist leer

Weitergießen wie im Sommer

Was passiert. Bei wenig Licht betreibt die Pflanze kaum Photosynthese und verbraucht viel weniger Wasser. Die Erde bleibt tagelang nass, und in nasser, kühler Erde faulen die feinen Wurzeln. Die trockene Heizungsluft täuscht darüber hinweg, weil nur die oberste Schicht schnell abtrocknet.

Woran du es erkennst. Die unteren Blätter werden gelb und weich, Triebe hängen trotz nasser Erde, die Erde riecht muffig, und beim Gießen schwirren kleine schwarze Trauermücken auf.

So machst du es richtig. Gieß erst, wenn die Erde es verlangt. Steck einen Finger tief in die Erde oder heb den Topf an: Ein leichter Topf braucht Wasser, ein schwerer nicht. Wasser, das im Übertopf steht, kippst du weg, sobald nichts mehr nachläuft. Hängen die Blätter bei nasser Erde, prüf die Wurzeln, wie unter gelbe Blätter und andere Probleme beschrieben.

Eiskaltes Wasser aus der Leitung

Was passiert. Im Winter kommt das Wasser deutlich kälter aus der Leitung. Für die Wurzeln tropischer Arten ist das ein Kälteschock, besonders wenn die Fensterbank selbst schon kühl ist.

Woran du es erkennst. Usambaraveilchen bekommen helle Flecken, wenn kaltes Wasser auf die Blätter kommt. Andere Arten lassen die Blätter hängen oder bleiben im Wachstum stehen.

So machst du es richtig. Füll die Gießkanne am Vorabend und lass sie im Zimmer stehen. Am nächsten Tag hat das Wasser Raumtemperatur. Wie du kalkarmes Wasser bekommst, steht unter richtig gießen.

Düngen nach Sommerplan

Was passiert. Ohne genug Licht kann die Pflanze die Nährstoffe kaum verwerten. Die Salze reichern sich in der Erde an, oder die Pflanze bildet lange, weiche Triebe, die im Frühjahr wieder weg müssen.

Woran du es erkennst. Weiße Krusten auf der Erde oder am Topfrand, braune Blattspitzen und dünne, blasse Neutriebe.

So machst du es richtig. Von Oktober bis Februar machst du eine Düngepause. Ausnahmen sind Winterblüher wie Amaryllis und Weihnachtskaktus und Pflanzen unter einer Lampe, die normal weiterwachsen. Krusten spülst du mit reichlich Wasser aus dem Topf, im Winter erst dann, wenn die Pflanze ohnehin Wasser braucht. Mehr unter Zimmerpflanzen düngen.

Fehler mit Heizungsluft, kaltem Glas und Zugluft

Fenster bei Nacht, Fehler und Lösung: links stehen die Pflanzen auf der kalten Steinfensterbank dicht an der Scheibe, rechts stehen sie ein Stück zurück auf einem Tisch mit Korkuntersetzern

Die Pflanze steht direkt über dem Heizkörper

Was passiert. Die warme, trockene Luft steigt am Fenster genau dort auf, wo die Pflanzen stehen. Die Blätter verdunsten mehr Wasser, als die Wurzeln nachliefern, und Spinnmilben vermehren sich in dieser Luft am schnellsten.

Woran du es erkennst. Braune, trockene Blattränder und Spitzen, besonders bei Calathea, Farnen und Palmen. Später kommen feine helle Sprenkel auf den Blättern dazu.

So machst du es richtig. Rück empfindliche Pflanzen aus der warmen Luftsäule, etwa auf einen Hocker neben dem Fenster. Den Platz über der Heizung verträgt die Glücksfeder (Zamioculcas) am ehesten. Kakteen gehören im Winter an einen kühlen Ort, siehe unten. Calathea und Farne stellst du zu einer Gruppe zusammen oder ins Bad, wenn es dort hell genug ist.

Sprühen gegen trockene Luft

Was passiert. Das Wasser auf den Blättern ist nach kurzer Zeit verdunstet, an der Luftfeuchte im Raum ändert das kaum etwas. Auf behaarten Blättern bleibt es dagegen lange stehen.

Woran du es erkennst. Calathea und Farne bekommen trotz täglichem Sprühen braune Ränder, und auf Usambaraveilchen und anderen Pflanzen mit samtigen Blättern bleiben Flecken.

So machst du es richtig. Ein Luftbefeuchter im Raum hilft mehr als die Sprühflasche. Ein Hygrometer zeigt dir vorher, ob die Luft wirklich so trocken ist. Pflanzen in einer Gruppe halten die Feuchte untereinander etwas besser als einzelne Töpfe, die im Raum verteilt stehen. Ohne Luftbefeuchter hilft ein breiter Untersetzer mit Blähton und Wasser. Der Topf steht auf den Kugeln, und das Wasser verdunstet direkt unter den Blättern. Füll nur so hoch auf, dass der Topfboden trocken bleibt, sonst zieht die Erde das Wasser nach oben und bleibt nass.

Blätter an der kalten Scheibe

Was passiert. Direkt am Glas ist es im Winter deutlich kälter als im Raum, nachts zwischen Scheibe und zugezogenem Vorhang erst recht. Viele tropische Arten nehmen schon unter etwa 10 °C Schaden. Eine Fensterbank aus Stein kühlt die Wurzeln zusätzlich von unten.

Woran du es erkennst. Blätter, die das Glas berühren, werden glasig und dunkel, später braun und matschig. Die Pflanze kümmert, obwohl der Raum warm ist.

So machst du es richtig. Lass eine Handbreit Abstand zur Scheibe. Zieh den Vorhang abends hinter die Pflanzen oder stell sie nachts ein Stück zurück. Unter Töpfe auf einer kalten Steinfensterbank kommt ein Untersetzer aus Kork oder Holz. Du kannst auch eine Heizmatte für Pflanzen unter die Töpfe legen. Sie wärmt die Wurzeln von unten, wo die Fensterbank am kältesten ist. Nimm eine Matte mit Thermostat, damit die Erde nicht zu warm wird, und prüf die Erde öfter, weil sie auf der Matte schneller abtrocknet. Kakteen und andere Pflanzen in der kühlen Winterruhe stellst du nicht darauf.

Kippfenster und Zugluft

Was passiert. Ein dauerhaft gekipptes Fenster kühlt die Fensterbank stundenlang aus. Beim Stoßlüften trifft die kalte Luft direkt auf die Blätter. Ficus-Arten wie die Geigenfeige und die Birkenfeige reagieren darauf besonders empfindlich.

Woran du es erkennst. Plötzlicher Blattfall, oft innerhalb weniger Tage, auch bei grünen, gesunden Blättern.

So machst du es richtig. Lüfte mehrmals am Tag kurz mit weit geöffnetem Fenster und schließ es danach wieder. Empfindliche Pflanzen stellst du für die paar Minuten aus dem Luftstrom.

Die neue Pflanze ungeschützt nach Hause tragen

Was passiert. Im Laden stand die Pflanze warm, auf dem Weg zum Auto trifft sie kalte Winterluft. Der Schaden zeigt sich oft erst einige Tage später.

Woran du es erkennst. Weihnachtssterne und andere tropische Pflanzen lassen kurz nach dem Kauf die Blätter hängen oder werfen sie ab.

So machst du es richtig. Kauf keine Pflanze, die im zugigen Eingangsbereich oder draußen vor dem Laden stand, und lass sie in mehrere Lagen Papier einpacken, auch für kurze Wege. Mehr dazu unter Weihnachtsstern pflegen.

Fehler bei Licht und Winterruhe

Lichtmangel im Winter: links eine Efeutute auf einem Sideboard weit vom Fenster mit langen, kahlen Trieben, rechts dieselbe Pflanze dicht belaubt direkt am Fenster unter einer kleinen Pflanzenlampe

Die Pflanze bleibt an ihrem Sommerplatz

Was passiert. Ein Platz mitten im Raum, der im Juni hell genug war, bekommt im Dezember nur noch einen Bruchteil des Lichts. Die Pflanze streckt sich nach dem Fenster und verbraucht ihre Reserven.

Woran du es erkennst. Lange, dünne Triebe mit großen Abständen zwischen den Blättern, und neue Blätter, die kleiner sind als die alten. Kakteen und Sukkulenten vergeilen, sie wachsen blass und schmal zum Fenster hin.

So machst du es richtig. Rück die Pflanzen im Winter so nah ans Fenster wie möglich, auch wenn sie im Sommer weiter hinten standen, und wisch den Staub von den Blättern. Reicht das nicht, hilft eine Pflanzenlampe mit Zeitschaltuhr. Unter der Lampe wachsen Pflanzen weiter und brauchen dann wieder normal Wasser und Dünger. Welches Fenster im Winter wie viel Licht bringt, steht unter Standort und Licht.

Kakteen im warmen Wohnzimmer überwintern

Was passiert. Kakteen, viele Sukkulenten und die Clivie legen ihre Blüten in einer kühlen, fast trockenen Ruhezeit an. Im warmen Wohnzimmer wachsen sie bei wenig Licht weiter.

Woran du es erkennst. Dünne, blasse Spitzen an Kakteen und im Frühjahr keine Knospen.

So machst du es richtig. Von etwa November bis Februar stehen sie hell und kühl zwischen 5 und 12 °C und bekommen kaum Wasser. Ein ungeheiztes, helles Treppenhaus oder Gästezimmer passt dafür besser als das Wohnzimmer. Mehr dazu unter Kakteen und Sukkulenten.

Fehler bei Umtopfen, Umstellen und Schädlingen

Im Winter umtopfen

Was passiert. Die Wurzeln wachsen im Winter kaum und erschließen die frische Erde nicht. Die größere Erdmenge im neuen Topf bleibt lange nass.

Woran du es erkennst. Die Pflanze stockt nach dem Umtopfen, Blätter werden gelb, und im schlimmsten Fall fault der Ballen.

So machst du es richtig. Warte bis zum Frühjahr, wenn die Tage länger werden und neue Triebe erscheinen. Ausnahmen sind Wurzelfäule und ein zerbrochener Topf. Wie es geht, steht unter Umtopfen und Erde.

Bei Blattfall ständig den Platz wechseln

Was passiert. Viele Pflanzen werfen nach einem Umzug einige Blätter ab, weil sie sich auf das neue Licht einstellen. Wer sie dann erneut umstellt, löst die nächste Runde aus.

Woran du es erkennst. Blattfall kurz nach jedem Umstellen, besonders bei der Birkenfeige.

So machst du es richtig. Such im Herbst einen hellen, zugfreien Platz und lass die Pflanze den Winter über dort. Einzelne gelbe Blätter unten an der Pflanze sind im Winter normal und kein Grund zum Umstellen.

Spinnmilben zu spät bemerken

Was passiert. In warmer, trockener Heizungsluft vermehren sich Spinnmilben am schnellsten. Die winzigen Tiere sitzen auf der Blattunterseite und fallen lange nicht auf.

Woran du es erkennst. Feine helle Sprenkel auf der Blattoberseite, später Gespinste in den Blattachseln. Wischst du mit einem weißen Tuch über die Unterseite, bleiben rötliche oder grünliche Schlieren zurück.

So machst du es richtig. Sieh dir einmal pro Woche ein paar Blattunterseiten an. Befallene Pflanzen braust du gründlich ab, auch unter den Blättern, und stellst sie getrennt von den anderen auf. Was danach hilft, steht unter Schädlinge an Zimmerpflanzen.

Nutz die ruhigen Wochen, um Töpfe und Plätze für das Frühjahr zu planen, wenn die Pflanzen wieder wachsen und umgetopft werden.

Häufige Fragen zu Zimmerpflanzen im Winter

Warum bekommen meine Zimmerpflanzen im Winter gelbe Blätter?

Im Winter steckt meist zu viel Wasser bei zu wenig Licht dahinter, weil die Erde dann tagelang nass bleibt. Einzelne alte Blätter, die unten an der Pflanze gelb werden, sind in diesen Monaten normal. Werden mehrere Blätter auf einmal gelb, lass die Erde tiefer abtrocknen und prüf die Wurzeln.

Woher kommen braune Blattspitzen im Winter?

Im Winter kommen sie vor allem von der trockenen, warmen Luft über dem Heizkörper. Rück empfindliche Pflanzen wie Calathea und Farne aus der warmen Luftsäule und stell sie zu einer Gruppe zusammen.

Hilft eine Wasserschale auf der Heizung gegen trockene Luft?

Kaum, denn aus einer kleinen Schale verdunstet zu wenig Wasser, um die Luft im ganzen Raum feuchter zu machen. Stellst du trotzdem eine auf, wechsel das Wasser oft und reinige die Schale, damit sich darin kein Kalk und keine Keime sammeln. Mehr bringt ein Untersetzer mit Blähton und Wasser direkt unter der Pflanze oder ein Luftbefeuchter.

Ab wann gieße und dünge ich im Frühjahr wieder normal?

Sobald die Pflanze neue Blätter oder Triebe bildet, meist ab März, wenn die Tage spürbar länger werden. Steiger die Wassermenge nach und nach, statt sofort auf Sommerpflege umzustellen. Mit dem Dünger fängst du bei halber Dosis an.

Darf ich im Winterurlaub die Heizung runterdrehen?

Etwas kühler ist in Ordnung, aber die Frostschutzstellung ist für tropische Zimmerpflanzen zu kalt, weil viele schon unter etwa 10 °C Schaden nehmen. Am Fenster wird es dabei noch kälter als in der Raummitte, also rück die Pflanzen vor der Abreise vom Glas weg. Kakteen im kühlen Winterquartier betrifft das nicht.

Gelbe Blätter und braune Spitzen haben auch außerhalb des Winters Ursachen. Alle Symptome mit Wurzelcheck stehen unter gelbe Blätter und andere Probleme, und wie du die Pflanzen auf eine Reise vorbereitest, unter Zimmerpflanzen im Urlaub bewässern.

Mehr Pflanzenwissen

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