Rückwand im Terrarium gestalten

Die Rückwand ist die am meisten unterschätzte Fläche im Terrarium. Sie ist oft größer als der Boden, sie ist die einzige Fläche, die du senkrecht bepflanzen kannst, und sie entscheidet, ob dein Becken wie eine Landschaft oder wie ein Glaskasten vor einer Tapete wirkt. Im Terrascaping ist sie deshalb der Hebel, mit dem aus einem bepflanzten Glas eine Landschaft wird. Diese Seite zeigt dir die Materialien, was sie kosten, wie du sie einbaust und was darauf wächst.

Warum die Rückwand mehr ist als Deko

Die Rückwand ist die größte Fläche im Becken und gleichzeitig die einzige, die du senkrecht bepflanzen kannst. Sie entscheidet über die Wirkung und über die Pflanzenzahl.

Sie verdoppelt die Pflanzfläche

In einem Becken mit 60 cm Breite und 60 cm Höhe ist die Rückwand größer als der Boden. Bepflanzt du sie, passen doppelt so viele Pflanzen ins Becken, ohne dass es am Boden gedrängt wirkt.

Kletterfeige, Moose, kleine Farne und aufgebundene Bromelien wachsen an einer geeigneten Rückwand von selbst fest und bilden nach einigen Monaten eine geschlossene grüne Fläche.

Sie schließt das Bild nach hinten ab

Ohne Rückwand schaut man durch das Becken hindurch auf Tapete, Kabel oder Fensterrahmen. Das zerstört jede Landschaftswirkung, egal wie gut der Vordergrund gestaltet ist.

Eine strukturierte Rückwand liefert außerdem Tiefe: Nischen und Vorsprünge werfen Schatten, und Schatten liest unser Auge als Entfernung.

Sie ist auch ein Feuchtigkeitsspeicher

Kork und Xaxim saugen Wasser auf und geben es langsam wieder ab. Das stabilisiert die Luftfeuchte im Becken deutlich, gerade in den Stunden nach dem Sprühen.

Glatte Rückwände aus Folie oder Glas können das nicht. Sie sind pflegeleichter, tragen aber nichts zum Klima bei.

Die Materialien im Vergleich

Vom günstigen Standard bis zum Premiummaterial. Die Preise sind Richtwerte pro Quadratmeter, wie sie auch der Terra-Planer für seine Stückliste ansetzt.

Korkrinde

Der Allrounder. Naturkork in Platten oder als Röhre, strukturiert, dunkel, feuchtigkeitsspeichernd. Moose und Kletterpflanzen wachsen gut darauf an, Bromelien lassen sich direkt aufbinden.

Kork ist langlebig, verrottet im feuchten Becken sehr langsam und lässt sich mit einem Messer zuschneiden. Rechne mit etwa 35 Euro pro Quadratmeter.

Preis: etwa 35 Euro pro qm
Bepflanzbar: Sehr gut
Klima: Tropisch

Xaxim (Baumfarnfaser)

Das Premiummaterial für tropische Becken. Xaxim besteht aus den Faserwurzeln von Baumfarnen, speichert enorm viel Wasser und ist die beste Basis, die Moose und Farne bekommen können.

Der Preis liegt bei etwa 90 Euro pro Quadratmeter, deutlich über allen Alternativen. Achte beim Kauf auf zertifizierte Herkunft, denn Baumfarne sind geschützt und nachhaltiger Anbau ist hier nicht selbstverständlich.

Preis: etwa 90 Euro pro qm
Bepflanzbar: Hervorragend
Klima: Tropisch

Felsoptik und Sandstein

Modellierte Steinrückwände, entweder als Fertigplatte oder selbst aus Styropor und Fliesenkleber gebaut. Sie tragen kaum Pflanzen, dafür ist die Wirkung stark und sie passen zu ariden und felsigen Layouts.

Preislich liegen sie bei etwa 45 Euro pro Quadratmeter, Marmor- und Klippenoptik etwas höher. Pflanzen setzt man hier in Nischen und Taschen, nicht flächig.

Preis: 45 bis 55 Euro pro qm
Bepflanzbar: Nur in Nischen
Klima: Arid oder felsig

Erdwand

Eine mit Substrat gefüllte Wand hinter einem Gitter oder Netz. Sie lässt sich flächig bepflanzen wie ein senkrechtes Beet und ist der günstigste Weg zu einer wirklich grünen Rückwand, etwa 35 Euro pro Quadratmeter.

Der Nachteil: Sie braucht eine gute Konstruktion, sonst rutscht das Substrat mit der Zeit nach unten. Und sie ist deutlich schwerer als Kork.

Preis: etwa 35 Euro pro qm
Bepflanzbar: Flächig
Klima: Tropisch

Glatt oder foliert

Die einfachste Variante: Glas bleibt Glas, oder eine Folie gibt der Rückseite eine Farbe. Kostet fast nichts, ist in Sekunden gereinigt und trägt keine Pflanze.

Für ein Wüstenbecken ist das oft völlig ausreichend, weil dort ohnehin nichts an der Wand wächst. Für ein Tropenbecken verschenkst du damit die größte Pflanzfläche.

Preis: ab 0 Euro
Bepflanzbar: Nein
Klima: Alle

Rückwand einbauen

Ob Fertigplatte oder Eigenbau: Der Ablauf ist derselbe, und die Reihenfolge ist wichtiger als das Werkzeug.

So gehst du beim Einbau vor:

  • Zuschneiden: Rückwandmaße abnehmen, Material mit einem scharfen Messer oder einer Stichsäge zuschneiden. Lieber einen Millimeter zu groß, dann klemmt die Platte von selbst.
  • Aussparungen planen: Löcher für Beregnungsdüsen, Kabeldurchführungen und Lüfter vor dem Einbau schneiden, danach ist es Bastelei.
  • Befestigen: Aquariensilikon ist der Standard, weil es im Dauerfeuchten hält und aquarientauglich ist. Kein Sanitärsilikon verwenden, das enthält Fungizide.
  • Aushärten lassen: Silikon braucht mindestens 24 Stunden, bei dicken Fugen zwei Tage. In dieser Zeit gut lüften, damit der Essiggeruch verschwindet.
  • Pflanzen aufbinden: Moose und Bromelien mit Angelschnur oder dünnem Draht befestigen. Nach einigen Wochen halten sie selbst, dann kann die Schnur ab.

Hinweis:

Baue die Rückwand immer ein, bevor Substrat und Pflanzen im Becken sind. Nachträglich einzukleben bedeutet, dass du das halbe Layout wieder ausräumen musst und dass Silikon auf Erde nicht hält.

Was an der Rückwand wächst

Nicht jede Pflanze eignet sich für die senkrechte Fläche. Diese Gruppen funktionieren zuverlässig.

Moose

Javamoos und Kissenmoose wachsen auf Kork und Xaxim von selbst fest, wenn die Fläche dauerhaft feucht bleibt. Sie sind der schnellste Weg zu einer geschlossenen grünen Wand.

Aufbinden oder mit der Slurry-Methode aufbringen, dann regelmäßig sprühen. Nach vier bis acht Wochen sitzt das Moos fest.

Kletterpflanzen

Kletterfeige (Ficus pumila) ist der Klassiker: Sie haftet mit Haftwurzeln direkt am Material und begrünt in wenigen Monaten große Flächen. Regelmäßig schneiden, sonst übernimmt sie das ganze Becken.

Auch kleine Philodendron- und Scindapsus-Arten klettern zuverlässig, brauchen aber mehr Platz.

Epiphyten

Bromelien, Tillandsien und Mini-Orchideen wachsen in der Natur auf Rinde, nicht in Erde. An einer Korkrückwand sind sie deshalb genau richtig, aufgebunden ohne Substrat.

Sie brauchen mehr Licht als Moos. Setze sie in den oberen Bereich der Rückwand, wo die Lampe hinkommt.

Farne in Nischen

Kleine Farne lassen sich in Taschen und Spalten der Rückwand setzen, wenn dort etwas Substrat Platz hat. Sie wachsen dann waagerecht aus der Wand heraus und geben ihr Tiefe.

In einer Erdwand geht das flächig, in Kork nur dort, wo die Rinde eine natürliche Wölbung bildet.

Rückwand vorher durchspielen

Der Terra-Planer kennt Kork, Xaxim, Erdwand und mehrere Fels- und Marmoroptiken. Du wählst das Material, siehst die Wand sofort in 3D und bekommst die Quadratmeter samt Preis in die Stückliste gerechnet.

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