Algen im Aquascape
Die Grundregel
Algen und Pflanzen brauchen dasselbe: Licht, CO2 und Nährstoffe. Wachsen die Pflanzen kräftig, verbrauchen sie den Großteil davon, und für Algen bleibt wenig übrig. Breiten sich Algen aus, sind meistens die Pflanzen gerade geschwächt.
Frag dich deshalb bei jedem Befall zuerst, warum deine Pflanzen gerade nicht wachsen. In den meisten Fällen ist die Antwort zu viel Licht bei zu wenig CO2.
Sechs Algenarten und ihre Ursachen
Bartalgen und Pinselalgen
Erkennen: dunkelgraue bis schwarze Büschel an Blatträndern, Holz und
Filterauslass, fühlen sich zäh an.
Ursache: schwankendes oder zu niedriges CO2, oft zusammen mit zu viel Bewegung an der Wasseroberfläche.
Was hilft: CO2 stabilisieren und über den Tag konstant halten, Strömung so
einstellen, dass die Oberfläche sich bewegt, aber nicht sprudelt. Befallene Blätter
entfernen, sie erholen sich nicht mehr.
Blaualgen
Erkennen: blaugrüner, schmieriger Teppich, lässt sich in Fetzen abziehen und
riecht muffig.
Ursache: Cyanobakterien, keine echten Algen. Sie treten bei Nitratmangel und
in strömungsarmen Ecken auf, meist auf dem Bodengrund.
Was hilft: absaugen, Strömung in die tote Ecke bringen und Nitrat düngen.
Ist der Befall stark, lass das Becken zusätzlich drei Tage dunkel.
Kieselalgen
Erkennen: brauner, staubiger Belag auf Scheiben, Blättern und Hardscape,
lässt sich leicht abwischen.
Ursache: im neuen Becken ein normaler Teil der Einfahrphase. Im
eingefahrenen Becken meist zu wenig Licht.
Was hilft: im neuen Becken abwarten und abwischen. Im laufenden Becken die
Beleuchtungsstärke prüfen.
Fadenalgen
Erkennen: lange, grüne Fäden, die sich um Stängel und Hardscape wickeln.
Ursache: Nährstoffüberschuss bei gleichzeitig zu viel Licht, häufig nach einem Rückschnitt, wenn plötzlich weniger Pflanzen die Nährstoffe verbrauchen.
Was hilft: mit einem Holzstab aufwickeln und herausdrehen, danach das Licht kürzer laufen lassen und mehr Wasser wechseln.
Grüne Punktalgen
Erkennen: harte, punktförmige grüne Flecken auf der Scheibe und auf
langsam wachsenden Blättern wie Anubias.
Ursache: Phosphatmangel bei ausreichend Licht.
Was hilft: Phosphat gezielt düngen. Die Punkte selbst musst du abkratzen, von Anubias-Blättern gehen sie praktisch gar nicht ab.
Staubalgen und Grünwasser
Erkennen: feiner grüner Schleier auf der Scheibe oder milchig grünes Wasser
im ganzen Becken.
Ursache: zu viel Ammonium auf einmal, meist nach einem Umbau oder einer Filterreinigung.
Was hilft: Ursache abstellen und drei Tage verdunkeln. Häufige Wasserwechsel
helfen bei Grünwasser wenig, weil die Schwebealgen sich schneller vermehren.
In welcher Reihenfolge du eingreifst
- 1. Beleuchtungsdauer kürzen. Geh von acht auf sechs Stunden. Das kostet nichts, und mit sechs Stunden kommen die meisten Pflanzen gut aus.
- 2. Befallene Blätter abschneiden. Schneid stark bewachsene Blätter ab, statt sie retten zu wollen, denn sie werden nicht wieder grün.
- 3. Mehr Wasser wechseln. Zwei Mal wöchentlich 50 Prozent für zwei bis drei Wochen.
- 4. CO2 und Strömung prüfen. Der Dauertest sollte schon grün sein, wenn das Licht angeht, und bis zum Abend grün bleiben.
- 5. Erst dann die Düngung anpassen. Wenn du unsicher bist, dosier eher etwas mehr.
Zu Algenmitteln aus der Flasche:
Sie wirken oft schnell, ändern aber nichts an der Ursache, und viele Präparate vertragen Garnelen und Moose schlecht. Gegen einen hartnäckigen Befall kannst du sie als letzte Maßnahme einsetzen, wenn Licht, CO2 und Düngung schon stimmen.
Häufige Fragen zu Algen im Aquarium
Warum bekomme ich Bartalgen?
Bartalgen sind fast immer ein CO2-Problem. Meist schwankt der CO2-Gehalt über den Tag, ist insgesamt zu niedrig, oder die Oberfläche bewegt sich so stark, dass das CO2 entweicht. Typisch sitzen sie dort, wo viel Strömung ist, etwa am Filterauslass und an den Rändern älterer Blätter.
Wie werde ich Blaualgen wieder los?
Blaualgen sind keine Algen, sondern Cyanobakterien. Sie treten bei Nitratmangel und in strömungsarmen Ecken auf, oft auf dem Bodengrund. Saug sie ab, bring Strömung in die Ecke und dünge ausgerechnet Nitrat. Ist der Befall stark, lass das Becken zusätzlich drei Tage dunkel.
Sind Kieselalgen im neuen Becken schlimm?
Nein. Der braune, staubige Belag in den ersten Wochen gehört zur Einfahrphase und verschwindet von selbst, sobald das Becken stabil läuft. Bis dahin reicht Abwischen. Tauchen Kieselalgen in einem eingefahrenen Becken auf, fehlt meist Licht.
Helfen Algenfresser gegen Algen?
Sie räumen auf, beheben aber keine Ursache. Amanogarnelen und Otocinclus halten frische Beläge kurz, gegen ausgewachsene Bartalgen kommen sie nicht an. Wenn du die Ursache nicht behebst, hast du nach wenigen Wochen dieselben Algen und dazu mehr Besatz im Becken.
Wie lange sollte die Beleuchtung laufen?
Sechs bis acht Stunden am Stück reichen für die meisten Aquascapes. Mit längerer Brenndauer wachsen die Pflanzen kaum schneller, die Algen bekommen aber mehr Zeit. Sind die Algen schon da, ist kürzeres Licht der einfachste erste Schritt.
Kann ich Algen mit weniger Dünger bekämpfen?
Meistens nicht. Nährstoffmangel schwächt die Pflanzen, und geschwächte Pflanzen verlieren gegen Algen. Häufiger steckt ein Ungleichgewicht dahinter, etwa viel Licht bei zu wenig CO2 oder zu wenig Makronährstoffen, und im zweiten Fall hilft mehr Dünger.
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