Klima im Terrarium steuern

Das Klima ist der Grund, warum ein Terrarium überhaupt funktioniert: Im Glas hältst du Werte, die im Zimmer nicht möglich wären. Gleichzeitig ist es der Punkt, an dem die meisten Becken kippen, weil an einer Schraube gedreht wird, ohne die Nebenwirkung auf die anderen zwei zu kennen. Klimasteuerung ist damit die Königsdisziplin im Terrascaping. Diese Seite erklärt den Zusammenhang und zeigt dir, in welcher Reihenfolge du eingreifst.

Drei Werte, die zusammenhängen

Luftfeuchte, Temperatur und Luftbewegung lassen sich nicht getrennt einstellen. Wer an einem Wert dreht, verändert immer auch die anderen zwei.

Luftfeuchte

Der Wert, der die Pflanzenauswahl am stärksten begrenzt. Moose und Farne wollen 80 bis 100 Prozent, viele Zimmerpflanzen kommen mit 60 bis 70 Prozent zurecht, Sukkulenten wollen unter 55 Prozent.

Wichtig: Luftfeuchte ist relativ. Dieselbe Menge Wasser in der Luft ergibt bei 25 Grad eine niedrigere relative Feuchte als bei 20 Grad. Heizen senkt also die Luftfeuchte, ohne dass Wasser verschwindet.

Tropisch: 70 bis 100 Prozent
Arid: unter 55 Prozent

Temperatur

Die meisten Terrarienpflanzen sind mit normaler Zimmertemperatur um 20 Grad zufrieden. Erst wenn deine Pflanzenauswahl dauerhaft mehr verlangt, brauchst du eine Heizquelle.

Achte auf die Schichtung: In einem 90 cm hohen Becken kann es oben unter der Lampe fünf Grad wärmer sein als unten am Substrat. Für die Pflanzenauswahl zählt die Temperatur an der Stelle, an der die Pflanze sitzt.

Annahme Raum: etwa 20 Grad
Typisch tropisch: 20 bis 28 Grad

Luftbewegung

Der am häufigsten vergessene Wert. Stehende, gesättigte Luft ist die Grundvoraussetzung für Schimmel und Grauschimmel, und zwar unabhängig davon, wie gut die anderen beiden Werte stimmen.

In der Natur gibt es keine windstille Situation über Tage. Ein Lüfter, der zwei Mal täglich für einige Minuten läuft, imitiert das ausreichend.

Ziel: Regelmäßiger Austausch
Mittel: Lüftungsflächen, Lüfter

Messen statt schätzen

Ohne Messwerte pflegst du nach Gefühl, und das Gefühl täuscht durch Glas hindurch verlässlich.

Ein digitales Thermo-Hygrometer kostet etwa 15 Euro und ist die einzige Anschaffung, die wir wirklich jedem empfehlen. Luftfeuchte durch eine Glasscheibe zu schätzen funktioniert nicht, und beschlagene Scheiben sagen nur, dass der Taupunkt erreicht ist, nicht wie hoch die Feuchte ist.

So messt du richtig:

  • Position: Auf halber Höhe an der Rückwand, nicht direkt neben einer Beregnungsdüse und nicht direkt unter der Lampe. Dort messen beide Werte etwas anderes als im Rest des Beckens.
  • Zwei Messpunkte in hohen Becken: Ab etwa 60 cm Höhe lohnen zwei Geräte, oben und unten. Die Differenz sagt dir mehr über dein Becken als jeder Einzelwert.
  • Nach dem Sprühen warten: Direkt nach dem Sprühen zeigt jedes Hygrometer nahezu 100 Prozent. Aussagekräftig ist der Wert eine Stunde später.
  • Über den Tag beobachten: Notiere morgens und abends. Ein Becken, das zwischen 95 Prozent morgens und 65 Prozent abends schwankt, ist etwas völlig anderes als eines, das konstant bei 80 liegt.

An welchen Schrauben du drehen kannst

Vier Stellschrauben, absteigend nach Wirkung. Verändere immer nur eine und warte zwei Wochen.

1. Belüftungsfläche

Die stärkste und billigste Schraube. Ein größerer Lüftungsstreifen senkt die Luftfeuchte dauerhaft, ein kleinerer hebt sie. Bei Becken mit verstellbaren Gittern reicht oft ein Schieber.

Wer ein Becken selbst baut, sollte die Lüftungsflächen von Anfang an großzügig planen. Verkleinern lässt sich später mit Klebeband, vergrößern bedeutet Bohren.

2. Wassermenge und Frequenz

Häufiger und dafür weniger sprühen hält die Feuchte gleichmäßiger als selten und viel. Bei einer festen Beregnung heißt das: kurze Intervalle, mehrmals täglich, statt einer langen Ladung.

Sobald deine Pflanzen dauerhaft mehr als 70 Prozent brauchen, wird manuelles Sprühen zur Terminsache. Das ist der Punkt, an dem sich eine Beregnung rechnet.

3. Substratmenge und Oberfläche

Feuchtes Substrat und eine Moosdecke geben laufend Wasser an die Luft ab. Mehr bepflanzte Fläche bedeutet höhere Luftfeuchte, freiliegender Sand bedeutet niedrigere.

Eine feuchtigkeitsspeichernde Rückwand aus Kork oder Xaxim wirkt in dieselbe Richtung und stabilisiert die Feuchte über den Tag.

4. Wärme

Heizen ist die letzte Schraube, nicht die erste. Eine Heizmatte hebt die Temperatur, senkt dabei aber die relative Luftfeuchte, und ein Keramikstrahler noch deutlicher.

Setze sie nur ein, wenn deine Pflanzenauswahl wirklich mehr als Zimmertemperatur braucht. Sonst löst du ein Problem, das du nicht hattest, und schaffst ein neues.

Hinweis:

Ein Becken braucht nach jeder Änderung ein bis zwei Wochen, bis sich das Klima eingependelt hat. Wer täglich nachjustiert, jagt Schwankungen nach, die von selbst verschwunden wären.

Zielwerte nach Beckentyp

Grobe Orientierung, welche Werte zu welchem Konzept gehören. Entscheidend ist am Ende die Schnittmenge deiner Pflanzen.

Geschlossenes Tropenbecken

Luftfeuchte 80 bis 100 Prozent, Temperatur 20 bis 26 Grad, kleine Lüftungsfläche. Morgens beschlagene Scheiben, die tagsüber abtrocknen, sind das Zielbild.

Ab 70 Prozent Mindestfeuchte lohnt eine feste Beregnung. Ohne Luftbewegung wird es in dieser Feuchte schnell schimmelanfällig, ein Intervalllüfter ist deshalb sinnvoll.

Feuchte: 80 bis 100 Prozent
Temperatur: 20 bis 26 Grad

Halboffenes Tropenbecken

Luftfeuchte 60 bis 80 Prozent, größere Lüftungsflächen. Der pragmatische Kompromiss für viele Zimmerpflanzen, Peperomien und robustere Farne.

Hier reicht Sprühen zwei bis drei Mal pro Woche, und Schimmel ist wegen des Luftaustauschs kaum ein Thema.

Feuchte: 60 bis 80 Prozent
Temperatur: 18 bis 26 Grad

Arides Becken

Luftfeuchte unter 55 Prozent, offen gebaut, viel Licht. Hier ist trockene Luft kein Mangel, sondern das Konzept. Eine verbaute Beregnung ist in diesem Becken schädlich.

Gegossen wird sparsam ins Substrat, nicht auf die Pflanzen. Wasser in Blattrosetten von Sukkulenten führt zu Fäule.

Feuchte: unter 55 Prozent
Temperatur: 18 bis 30 Grad

Häufige Fragen

Die Fragen, die uns zu diesem Thema am häufigsten erreichen.

Welche Luftfeuchte braucht ein Terrarium?

Das hängt vollständig von den Pflanzen ab. Moose und Farne wollen 80 bis 100 Prozent, viele Zimmerpflanzen kommen mit 60 bis 70 Prozent aus, Sukkulenten und Kakteen brauchen unter 55 Prozent. Entscheidend ist, dass alle Pflanzen in einem Becken denselben Bereich vertragen.

Brauche ich eine Beregnungsanlage?

Erst dann, wenn deine Pflanzen dauerhaft 70 Prozent Luftfeuchte oder mehr brauchen. Darunter reicht eine Druck-Sprühflasche und Sprühen zwei bis drei Mal pro Woche. In einem ariden Becken ist eine verbaute Beregnung sogar schädlich.

Braucht mein Terrarium eine Heizung?

Nur wenn die Pflanzen mehr als die üblichen 20 Grad Zimmertemperatur als Minimum verlangen. Die meisten Terrarienpflanzen brauchen keine Zusatzheizung. Eine Heizmatte senkt außerdem die relative Luftfeuchte, was in einem Tropenbecken ausgeglichen werden muss.

Wie senke ich die Luftfeuchte in meinem Terrarium?

Zuerst über die Belüftungsfläche: Gitter weiter öffnen oder die Tür stundenweise einen Spalt offen lassen. Danach die Sprühmenge reduzieren. Ein Lüfter, der in Intervallen läuft, ist die dauerhafte Lösung, wenn die Belüftung allein nicht reicht.

Wo gehört das Hygrometer hin?

Auf halbe Höhe an die Rückwand, nicht direkt neben eine Beregnungsdüse und nicht direkt unter die Lampe. In Becken ab etwa 60 cm Höhe lohnen zwei Messpunkte, weil oben und unten deutlich unterschiedliche Werte herrschen.

Klimacheck vor dem ersten Sprühen

Der Terra-Planer kennt für jede Katalogpflanze den Bereich für Luftfeuchte, Temperatur und Licht. Er vergleicht deine Auswahl untereinander und gegen die verbaute Technik und meldet Konflikte, empfiehlt eine Beregnung ab hoher Mindestfeuchte und warnt, wenn eine Beregnung im ariden Becken überflüssig wäre.

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