Terrarienpflanzen vermehren
Warum das Terrarium der beste Ort dafür ist
Vermehren im Terrarium ist einfacher als auf der Fensterbank, weil das Becken von sich aus genau die Bedingungen liefert, die Stecklinge brauchen.
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Hohe Luftfeuchte: Ein Steckling ohne Wurzeln kann kaum Wasser aufnehmen und verliert es über die Blätter. Bei 80 Prozent Luftfeuchte ist dieser Verlust minimal, auf der Fensterbank vertrocknet er.
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Stabile Wärme: Wurzelbildung braucht Temperatur. Ein Terrarium bei 22 bis 25 Grad wurzelt Stecklinge deutlich schneller an als ein kühler Raum.
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Kein Zusatzaufwand: Du brauchst kein Anzuchtgewächshaus und keine Haube. Der Steckling kommt einfach mit ins Becken.
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Weniger Wegwerfen: Beim Rückschnitt fällt regelmäßig Material an, das sonst im Biomüll landet. Aus einem Rückschnitt wird so das nächste Becken oder ein Geschenk.
Tipp:
Plane einen kleinen Bereich im Becken als Anzuchtecke ein, zum Beispiel eine Moosfläche im Halbschatten. Dort steckst du Stecklinge einfach hinein und holst sie heraus, wenn sie bewurzelt sind. Das hält den Rest des Layouts unangetastet.
Stecklinge: der Standardweg
Für alles, was rankt oder Triebe bildet, ist der Steckling die einfachste Methode.
Was du abschneidest
Ein Trieb mit zwei bis vier Blättern und mindestens einem Blattknoten, also der Stelle, an der ein Blatt am Stiel sitzt. Aus diesem Knoten kommen die neuen Wurzeln. Schneide etwa einen Zentimeter darunter, mit einer sauberen, scharfen Klinge.
Die unteren Blätter entfernen, damit sie nicht im Substrat liegen und faulen. Bei Kletterfeige und Philodendron funktioniert das sehr zuverlässig.
Wo du ihn hinsteckst
Direkt ins feuchte Substrat des Terrariums, mit dem Knoten unter der Oberfläche. Alternativ auf ein Stück feuchtes Sphagnum-Moos legen und andrücken, dort siehst du die Wurzelbildung sogar.
Wasserglas funktioniert auch, aber die im Wasser gebildeten Wurzeln sind anders gebaut als Erdwurzeln und die Pflanze muss sich beim Umsetzen noch einmal umstellen. Im Terrarium ist der direkte Weg besser.
Wie lange es dauert
Bei rankenden Arten wie Kletterfeige oder Scindapsus sind erste Wurzeln nach zwei bis drei Wochen sichtbar. Bei langsameren Arten kann es sechs bis acht Wochen dauern.
Zieh nicht am Steckling, um zu prüfen, ob er hält. Das reißt die feinen neuen Wurzeln ab. Neuer Austrieb an der Spitze ist das verlässlichere Zeichen.
Teilen: für Rosetten und Polster
Pflanzen, die keine Triebe bilden, vermehrt man durch Teilung. Das geht schneller als Stecklinge und liefert sofort eine fertige Pflanze.
Rosetten und Horste
Farne, Fittonien und viele Bodendecker wachsen mit der Zeit zu mehreren zusammenhängenden Rosetten. Nimm die Pflanze heraus, schüttle das Substrat ab und trenne die Rosetten von Hand, so dass jedes Stück eigene Wurzeln behält.
Wenn es nicht von Hand geht, mit einem sauberen Messer schneiden. Beide Hälften brauchen danach einige Tage mehr Luftfeuchte als üblich.
Kindel bei Bromelien
Bromelien blühen einmal und bilden danach Seitentriebe, die Kindel genannt werden. Sobald ein Kindel etwa ein Drittel der Größe der Mutterpflanze hat, kann es abgetrennt werden.
Mit einem scharfen Messer möglichst dicht an der Mutterpflanze abschneiden und wie eine erwachsene Pflanze aufbinden. Die Mutterpflanze stirbt danach langsam ab, das ist normal.
Moospolster
Moos vermehrt sich am einfachsten von allen: Ein Polster in kleinere Stücke zerteilen, die Stücke mit Abstand auslegen und feucht halten. Sie wachsen zusammen.
Wer große Flächen begrünen will, nutzt die Slurry-Methode und bekommt aus einer Handvoll Moos mehrere Quadratdezimeter.
Die Moos-Slurry-Methode
Aus einer Portion Moos wird eine ganze Rückwand. Die Methode klingt nach Küchenexperiment und ist genau das.
- Moos vorbereiten: Eine Handvoll gesundes Moos von Erde und Laub befreien. Es muss nicht sauber sein, nur frei von grobem Fremdmaterial.
- Mixen: Moos mit etwa der doppelten Menge Wasser kurz im Mixer zerkleinern, nur ein paar Sekunden. Ziel ist eine streichfähige Masse, kein Püree.
- Optional andicken: Ein Löffel Buttermilch oder Naturjoghurt macht die Masse haftfähiger. Notwendig ist es nicht, und in einem geschlossenen Becken erhöht es kurzzeitig die Schimmelneigung.
- Auftragen: Mit einem Pinsel dünn auf Kork, Stein, Wurzel oder Rückwand streichen. Dünn ist wichtig, dicke Schichten faulen von innen.
- Feucht halten: Die ersten zwei Wochen täglich sprühen. Sichtbares Wachstum beginnt nach vier bis acht Wochen, eine geschlossene Fläche dauert einige Monate.
Hinweis:
In der ersten Zeit sieht eine Slurry-Fläche unschön aus: braun, fleckig, teils schimmelig. Das ist normal und kein Grund, sie abzuwaschen. Erst nach etwa sechs Wochen kannst du beurteilen, ob es angewachsen ist.
Überschuss weitergeben statt wegwerfen
Wer regelmäßig zurückschneidet, hat irgendwann mehr Material als Becken. Das ist ein guter Zustand.
Stecklinge verschenken oder tauschen
Terrarienpflanzen sind fast alle über Stecklinge oder Teilung vermehrbar. Ein bewurzelter Steckling in einem feuchten Beutel übersteht mehrere Tage ohne Probleme.
In Pflanzengruppen und lokalen Tauschbörsen ist genau dieses Material begehrt, weil Terrarienarten im normalen Handel selten sind.
Verkaufen
Wer regelmäßig größere Mengen hat, kann sie auch anbieten. Bei Scaperia verkaufen private Anbieter Pflanzen direkt weiter, ohne dass daraus ein Gewerbe werden muss.
Für Terrarienpflanzen gilt beim Versand dasselbe wie für Zimmerpflanzen: feucht, aber nicht nass verpacken, und die Wurzeln separat einwickeln.
Ein zweites Becken bauen
Der naheliegendste Weg. Ein Becken, das komplett aus dem Rückschnitt des ersten bepflanzt wird, kostet nur noch Gefäß und Substrat.
Und es hat einen Vorteil: Du weißt bei jeder Pflanze schon, wie sie sich unter deinen Bedingungen verhält.
Häufige Fragen
Die Fragen, die uns zu diesem Thema am häufigsten erreichen.
Wie vermehre ich Terrarienpflanzen?
Rankende Arten über Stecklinge: Ein Trieb mit zwei bis vier Blättern und einem Blattknoten wird ins feuchte Substrat gesteckt. Rosetten und Horste werden geteilt, Bromelien bilden Kindel, und Moos zerteilt man einfach oder verwendet die Slurry-Methode.
Wurzeln Stecklinge im Terrarium besser als im Wasserglas?
Meist ja. Die hohe Luftfeuchte verhindert, dass der Steckling austrocknet, und die Wurzeln bilden sich direkt als Erdwurzeln. Im Wasser entstehen anders gebaute Wurzeln, sodass die Pflanze sich beim Umsetzen ein zweites Mal umstellen muss.
Was ist die Moos-Slurry-Methode?
Moos wird mit etwa der doppelten Menge Wasser kurz im Mixer zerkleinert und die streichfähige Masse dünn auf Kork, Stein oder Rückwand gepinselt. Aus einer Handvoll Moos werden so große Flächen. Sichtbares Wachstum beginnt nach vier bis acht Wochen.
Woran erkenne ich, dass ein Steckling angewurzelt ist?
An neuem Austrieb an der Spitze. Zieh nicht am Steckling, um es zu prüfen, das reißt die feinen neuen Wurzeln ab. Bei rankenden Arten sind erste Wurzeln nach zwei bis drei Wochen sichtbar, bei langsameren Arten dauert es sechs bis acht Wochen.
Das zweite Becken planen
Wenn aus dem Rückschnitt genug Material für ein weiteres Becken zusammenkommt, planst du es im Terra-Planer: Maße, Aufbau, Technik und Bepflanzung in 3D, mit Klimacheck gegen die Arten, die du schon hast.
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