Paludarium bauen: Wasser und Land in einem Becken

Ein Paludarium ist der Grenzgänger zwischen Aquarium und Terrarium: unten Wasser, oben Land, und dazwischen eine Uferzone, in der Pflanzen wachsen, die es in keinem der beiden anderen Becken gibt. Es ist aufwendiger zu bauen als ein normales Terrascape und deutlich schwerer, dafür braucht es kaum Technik für hohe Luftfeuchte. Diese Seite zeigt die Bauweisen und die Fallen.
Paludarium mit Wasserbereich und bepflanzter Landzone

Was ein Paludarium ausmacht

Der Name kommt vom lateinischen palus, dem Sumpf. Ein Paludarium hat einen echten Wasserteil und einen echten Landteil, und die Übergangszone dazwischen ist das eigentlich Interessante.

Nicht Aquarium plus Terrarium

Ein Paludarium ist kein halbvolles Aquarium mit Pflanzen obendrauf. Der Reiz liegt in der Uferzone: dem Bereich, in dem Wurzeln im Wasser stehen und Blätter in der Luft wachsen.

Genau diese Zone gibt es weder im Aquarium noch im Terrarium, und genau dort wachsen Pflanzen, die man sonst nirgends unterbringt.

Die Luftfeuchte kommt von selbst

Die offene Wasserfläche verdunstet permanent. Ein Paludarium erreicht deshalb ohne jede Beregnung Luftfeuchten, für die ein Terrarium eine Pumpe und Düsen braucht.

Das ist der größte praktische Vorteil: weniger Technik für ein feuchteres Klima. Dafür beschlagen die Scheiben stärker und du brauchst eine gute Belüftung.

Deutlich schwerer als ein Terrarium

Wasser wiegt ein Kilo pro Liter. Ein Wasserteil von 60 mal 45 cm mit 15 cm Wasserstand sind schon 40 Kilo, plus Substrat, Hardscape und Becken.

Prüfe vorher, was dein Möbel tragen kann, und stell das Becken auf eine ebene, tragfähige Fläche. Ein Paludarium umzustellen, wenn es läuft, ist keine Option.

Drei Bauweisen

Vom einfachsten Einstieg bis zum aufwendigen Projekt. Der Unterschied liegt darin, wie Wasser und Land voneinander getrennt sind.

Flache Wasserschale

Die einfachste Variante: eine niedrige Schale oder ein abgetrennter Bereich mit wenigen Zentimetern Wasser in einem ansonsten normalen Terrarium. Kein Filter, kein Besatz, Wasser gelegentlich austauschen.

Ideal zum Ausprobieren. Du bekommst die höhere Luftfeuchte und die Uferzone, ohne dich mit Technik zu beschäftigen.

Schwierigkeit: Anfänger
Technik: Keine

Abgetrennter Wasserteil

Eine Trennwand aus Glas oder verklebtem Kunststoff teilt das Becken: vorne Wasser, hinten Land, oder seitlich getrennt. Der Landteil wird hinter der Trennwand mit Drainage und Substrat aufgebaut.

Ab etwa 20 Litern Wasser lohnt ein kleiner Innenfilter, sonst kippt die Wasserqualität. Wer Garnelen oder kleine Fische einsetzen will, braucht ihn ohnehin.

Schwierigkeit: Mittel
Technik: Filter, ggf. Heizstab

Wasserfall oder Bachlauf

Eine Pumpe im Wasserteil fördert Wasser nach oben, von dort läuft es über eine strukturierte Rückwand zurück. Das sieht spektakulär aus und hält die Rückwand dauerhaft feucht, was Moosen sehr entgegenkommt.

Der Aufwand ist deutlich höher: Die Wasserführung muss dicht sein, sonst läuft das Wasser hinter der Rückwand ins Substrat. Plane ausreichend Zeit fürs Testen ein, bevor du bepflanzt.

Schwierigkeit: Fortgeschritten
Technik: Pumpe, Filter, dichte Wasserführung

Pflanzen für die drei Bereiche

Ein Paludarium hat mehr Pflanzzonen als ein Terrarium. Das ist der eigentliche Gewinn.

Unter Wasser

Klassische Aquarienpflanzen: Cryptocoryne, Vallisneria, Javamoos auf Steinen. Bei geringer Wassertiefe und guter Beleuchtung wachsen sie problemlos.

Ohne CO2-Düngung bleib bei robusten, langsam wachsenden Arten. Anspruchsvolle Aquascaping-Pflanzen brauchen eine Technik, die im Paludarium schwer unterzubringen ist.

Uferzone

Der spannendste Bereich. Anubias und Javafarn (Microsorum pteropus) wachsen sowohl unter Wasser als auch emers, also mit Blättern in der Luft, und bilden über Wochen den Übergang.

Auch Bubiköpfchen und viele Moose gedeihen hier hervorragend, weil die Wurzeln nie austrocknen und die Luft dauerhaft gesättigt ist.

Landteil

Hier gilt dasselbe wie im tropischen Terrarium: Farne, Fittonien, Peperomien, Bromelien an der Rückwand. Durch die höhere Luftfeuchte wachsen sie meist besser als im normalen Becken.

Achte auf Staunässe. Der Landteil steht dicht am Wasser, deshalb braucht er eine gute Drainage und darf nicht unterspült werden.

Tipp:

Anubias und Javafarn dürfen nicht ins Substrat gepflanzt werden, weder unter Wasser noch an Land. Ihr Rhizom fault dann. Binde sie auf Stein oder Wurzel auf, dort wachsen sie von selbst fest.

Worauf du beim Bauen achten solltest

Vier Punkte, an denen Paludarien typischerweise scheitern.

  • Dichtigkeit vor Bepflanzung testen: Trennwand und Wasserführung mindestens 24 Stunden mit Wasser laufen lassen, bevor Substrat und Pflanzen ins Becken kommen. Undichtigkeiten später zu finden bedeutet Rückbau.
  • Landteil nicht unterspülen: Der Wasserstand muss unter der Substratkante bleiben. Wenn Wasser in die Landzone drückt, faulen die Wurzeln von unten.
  • Belüftung großzügig planen: Die Verdunstungsfläche ist groß. Ohne ausreichende Lüftung sind die Scheiben permanent blind und Schimmel wird zum Dauerthema.
  • Wasser nachfüllen einplanen: Durch die Verdunstung sinkt der Wasserstand sichtbar, je nach Größe um mehrere Zentimeter pro Woche. Lass dir einen Zugang, an dem du bequem nachfüllen kannst.

Häufige Fragen

Die Fragen, die uns zu diesem Thema am häufigsten erreichen.

Was ist der Unterschied zwischen Paludarium und Terrarium?

Ein Paludarium hat einen echten Wasserteil und einen Landteil mit einer Uferzone dazwischen. Ein Terrarium ist reines Land. Der Wasserteil sorgt durch Verdunstung von selbst für hohe Luftfeuchte, macht das Becken aber deutlich schwerer und erfordert eine bessere Belüftung.

Brauche ich einen Filter im Paludarium?

Bei wenigen Zentimetern Wasser ohne Tierbesatz reicht regelmäßiger Wasserwechsel. Ab etwa 20 Litern Wasser oder sobald Garnelen oder Fische einziehen, ist ein kleiner Innenfilter nötig, sonst kippt die Wasserqualität.

Welche Pflanzen wachsen in der Uferzone?

Anubias und Javafarn sind die zuverlässigsten, weil sie unter Wasser und mit Blättern in der Luft wachsen. Dazu kommen Bubiköpfchen und viele Moose. Wichtig: Anubias und Javafarn werden auf Stein oder Wurzel aufgebunden, nicht ins Substrat gesetzt.

Wie viel wiegt ein Paludarium?

Wasser wiegt ein Kilo pro Liter. Ein Wasserteil von 60 mal 45 Zentimetern mit 15 Zentimetern Wasserstand sind rund 40 Kilo, dazu kommen Becken, Substrat und Hardscape. Prüfe die Tragfähigkeit des Möbels vorher, ein laufendes Paludarium lässt sich nicht umstellen.

Landteil im Planer aufbauen

Den Landteil deines Paludariums kannst du im Terra-Planer komplett durchplanen: Maße, Rückwand, Bodenaufbau, Technik und Bepflanzung, inklusive Klimacheck und Stückliste. Den Wasserteil planst du separat, den kennt der Planer noch nicht.

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